Sonntag, 9. Mai 2010

Die Tür nach T(h)üringen

Erst geht gar nichts und dann geht plötzlich alles schneller, als man denkt. Waren es gestern noch die Gedanken, wo man in Zukunft landen wird, sieht man sich heute plötzlich vor die Wahl gestellt. Das ist einerseits super, schließlich ist man auf der sicheren (nicht arbeitslosen) Seite, andererseits wird das (vermeintlich) geordnete Leben von jetzt auf gleich ordentlich durcheinander gewirbelt. Ich habe mich auf die Reise nach Thüringen begeben, ein Land, von dem ich rein gar nichts wusste, außer dass ältere Menschen dort in Bussen zum Wandern hingekarrt werden und die Bratwürste sich auch hier im Westen heißer Beliebtheit auf Weihnachtsmärkten erfreuen. Kalt wären sie wahrscheinlich ungenießbar.

Es ist ein komisches Gefühl, sich morgens früh um 5 in einen Zug zu setzen, mit der Gewissheit, an einem unbekannten Ort zu landen. Rapsfelder ziehen an mir vorbei, Berge, Wiesen, Kühe, Fachwerkhäuser. Die Geburtsstadt von Johann Sebastian Bach. Der Dialekt meiner hinzugestiegenen Mitreisenden wird stärker. "Nächster Halt, ERFURT Hauptbahnhof" schallt es durch die Lautsprecher. Da bin ich also, denke ich mir.


Ich hatte mir fest vorgenommen, unvoreingenommen in diese Stadt zu reisen. Doch die ersten Vorurteile bestätigen sich leider schnell. Vielleicht liegt es am strömenden Regen und der eisigen Kälte, vielleicht an meiner Aufregung, aber irgendwie werde ich mit dieser Stadt nicht warm. Man kann den krassen Unterschied zu westdeutschen Großstädten nicht in Worte fassen, aber man spürt ihn mit jedem Schritt. Eine alte Stadt, ehrwürdig, traditionsreich. Mit jedem Schritt läuft man Gefahr von einer Straßenbahn überfahren zu werden. Die Straßen sind eng, verwinkelt, ein beklemmendes Gefühl für jemanden, der große Plätze und breite Fußgängerzonen gewöhnt ist.



Das Gespräch verläuft sehr gut, es besteht gegenseitiges Interesse. Ein Probearbeiten in 2 Wochen wird ausgemacht. Nach einer Stunde bin ich wieder draußen. 4 Stunden laufe ich durchnässt wie ein begossener Pudel durch die Stadt, wärme mich im Dom und an Thüringer Klößen, setze mich in die Straßenbahnen und überquere eine der unzähligen Brücken.

Würde ich es aushalten, für mindestens 2 Jahre hier zu leben? Abzuschließen mit meinem alten Leben? soll ich dem Osten eine Chance geben? Oder doch lieber dem Ruf des Nordens folgen und auf eine Zusage aus Bremen hoffen? Doch was, wenn beides scheitert? dann stehe ich wieder am Nullpunkt.

Montag geht's wieder auf Reisen, dieses Mal in Richtung Meer. Ich freue mich auf Fischbrötchen und die Stadtmusikanten. Ich werde die frische Brise genießen, bevor es wieder gen Erfurt geht. Nochmal Luft tanken, sich durchpusten lassen und einen klaren Kopf bekommen, bevor sich das Pendel in Bewegung setzt.

1 Kommentar:

  1. Also, auf den Fotos sieht das gar nicht schlecht aus, das gute Erfurt. Muss mal gucken, wo das ist. Ich bin sicher, bei Sonnenschein schaut die Thüringer Welt wieder netter aus. :-)

    Bremen? Erinnert mich an die Stadtmusikanten und an Werder, die 3. geworden sind. Aber Meer ist natürlich mit Bratwürsten - kalt oder warm - nicht zu toppen.

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