Sie haben ihn nicht vergessen, auch wenn es still um ihn geworden ist. Im September kommt sein neues Album auf den Markt. "König der Straßen" wird es heißen, einen Vorgeschmack hat Pohlmann am Donnerstag in Köln verbreitet, kredenzt mit einer Mischung alter Songs. Mal gefühlvoll, mal kraftvoll, mal balladesk und leise, mal rockig und und laut. Songs zum Weinen und Lachen, zum Nachdenken und Mitgröhlen, zum Genießen und Tanzen.
Schon eine Stunde vor Einlass standen auf der Straße mehr Menschen als ins Blue Shell passen würden. Während des Konzerts standen doppelt soviele draußen und versuchten, einen Blick durch die Scheibe auf die kleine Bühne zu erhaschen und die Klänge aufzusaugen. Pohlmann hatte gerufen und alle waren erschienen. Einem geschenkten Gaul, schaut man nicht ins Maul. Das Konzert war gratis, da musste er nicht zweimal rufen bis der Club aus allen Nähten platzte. Verschwitzt, aber selig feierten ihn seine Anhänger. Ein gelungener Abend, der noch lange in meinem Gedächtnis bleiben wird. Hauptsächlich auf Grund der wunderbaren Textzeilen, die so ehrlich über seine Lippen kamen, als hätte er sie mit der Flasche Bier aufgetrunken.
Weitere schöne Momente sind in der letzten Zeit das gemeinsame Fußballgucken. Public Viewing - obwohl das ja eigentlich nicht so schön ist, geht man dem eigentlichen Ursprung dieser deutschen Wortneuschöpfung nach. Public Viewing ist eigentlich das öffentliche Leichenschauen. Menschen, mit denen ich schon viel zu lange nichts mehr gemacht habe, sitzen nun abend für abend mit mir in verrauchten Kneipen vor großen leinwänden oder Flachbildschirmen, um Tor für Tor mitzufiebern, zu schimpfen, zu gröhlen, oder: zu tröten! Nein, wir haben keine nervenden Vuvuzelas, ein kleines Trötchen aus dem 1€-Shop tut auch ihr Bestes, wie lange noch, ist eine andere Frage. Auch meine für 99 Cent ergatterte Girlande in Schwarz-Rot-Gold löst sich allmählich in Wohlgefallen auf. Ob sie das Viertelfinale noch überstehen wird, ist ebenfalls fraglich. Ich vergleiche sie ein bisschen mit unseren deutschen Jungs. Der Lack ist ab, die Luft raus, aber der innere Schweinehund sagt sich: Weitermachen! bis es nicht mehr geht. Gegen Ghana bin ich optimistisch. Die sind zwar hart, aber taktisch unterlegen, das könnte von Nutzen sein. Trotzdem: eine haarige Angelegenheit :-)
Donnerstag hole ich dann mein Oranje-Trikot aus dem Schrank und werde den Marktplatz mit "Hup Holland"-Rufen zum Beben bringen. Günther Jauch, Sylvie van der Vaart und Jürgen Klopp werden vor Ort sein und live Bericht erstatten. ich bin gespannt! Der Vla steht bereit und auch die Käsehappen sind gekühlt! Wenn Holland gewinnt, wird man keine Autocorsos auf den Straßen sehen, sondern Fahrradmassencaramboulagen und eine orangene Welle des Glücks.
Die Oranje-Rufe dürften Wirkung gezeigt haben. Schätze, gegen die Brasilianer brauchen sie einen Humpen Vla, sonst dürfen sie nach Hause schwimmen.
AntwortenLöschen:-) die Brasilianer werden es bitter bereuen, wenn ich mir meine Oranje-Girlande und meinen Oranje-Handventilator umsonst gekauft habe :-)
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